Stoische Ruhe und ausgedehnte Soli

Mark Knopfler begeisterte seine Zuhörer in der Westfalenhalle

(Westfälische Nachrichten, Seite "Kulturelles Leben", 26. April 2005)

Was ist Mark Knopfler wohl für ein Mensch? Lustig? Vergeistigt? Grummelig oder liebenswert? Ganz entspannt oder einfach scheu? Wenn er wie verlegen wegschaut, als habe er sich in den vergangenen 25 Jahren nicht an den Jubel der Zehntausend gewöhnt, bleibt er den Zuschauern rätselhaft. Ohne Zweifel hingegen ist die Magie, die von dem stillen Star ausgeht. Am Sonntagabend spielte Mark Knopfler vor 10.000 Freunden gepflegter Unterhaltung in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle.

Um kurz nach acht kommt der 55-jährige Brite auf die Bühne und gibt mit den ersten beiden Stücken "Why Aye Man" aus dem 2002er-Album "The Ragpicker' Dream" und dem Dire-Straits-Klassiker "Walk of Life" gleich die Richtung vor. Gut zwei Stunden lang wird er vornehmlich die griffigeren Songs der durchweg sehr ruhigen Solo-Alben spielen und sie um die größten Hits seiner einstigen Band ergänzen. "What it is" und "Romeo & Juliet", "Sailing to Philadelphia" und "Money for Nothing" - die Wahl scheint perfekt für ein Konzert in der Riesenhalle, in der nun mal mehr kommen muss als auf einer Platte fürs stille Kämmerlein.

Der Knoten platzt bei Song Nummer sechs. Als Knopfler mit einem nicht enden wollenden Solo die "Sultans of Swing" geehrt hat, tobt die Halle. "Very sweet", nuschelt Knopfler, "very sweet". Ein schlichter Dank, dann doch etwas Ruhigeres: "Done with Bonaparte". Sein Humor ist spröde: "Wir spielen das als Trio. Ich weiß nicht, warum. Aber wir tun's."

Selten kommt ein Lächeln über Knopflers Lippen. Und selten erweckt er den Anschein, als berühre ihn wirklich, was er tut. Das ist eine spannende Melange. Da spielt er in ekstatischen Gitarrensoli den Rest der Welt an die Wand und kann doch die Gleichgültigkeit, die stoische Ruhe im Blick wahren. Knopfler spielt den Saal in Rage und bleibt doch selbst ganz ruhig. Sein Paradestück ist noch immer "Telegraph Road", und bis er in diesem Song den musikalischen Höhepunkt erreicht hat, ist eine Viertelstunde schnell vergangen. Ja, es ist denkbar, dass Mark Knopfler nur mit diesem einen Lied über den ganzen Abend käme, ohne dass es langweilig würde. Das ist Magie.

Anderthalb Stunden sind vorbei, als der Gitarrist mit "Brothers in Arms" in die Zugaben startet. Noch drei Songs, und nach gut zwei Stunden verabschiedet er die Zuhörer mit dem Titelsong seines aktuellen Albums "Shangri-La" in die Nacht. Auf dem Heimweg können sie grübeln. Was ist Mark Knopfler wohl für ein Mensch? Very sweet.

Gunnar A. Pier