Laut und leise

Peter Maffay präsentiert in Bremen sein neues Album

(Westfälische Nachrichten, Seite "Kulturelles Leben", 1. Februar 2005)

Da hat Peter Maffay Spaß. Gerade noch hat er ganz ruhig gesungen zu spärlicher Begleitung. Leise. Im nächsten Moment knallt die Band los, Schlagzeug, Gitarren, ein Knall. Laut. Die Fans zucken zusammen. Sie konnten nicht damit rechnen, denn sie kennen an diesem Abend im Bremer Club Aladin das neue Album von Peter Maffay noch nicht. Das steht erst ab heute in den Plattenläden und heißt, aha: „Laut & Leise“.

Fünf Jahre nach seinem letzten Rock-Album („X“), die Maffay und seine Musiker für ein „Tabaluga“-Märchenalbum mit anschließender Mega-Tournee nutzten, melden sie sich nun auf der Rock-Bühne zurück. Und das gleich mit einem Doppelalbum, auf denen er die Songs sortiert hat - in laut und leise eben.

So präsentiert der 55-Jährige seine neue Musik auch auf den zehn Clubkonzerten, bei denen er in diesen Tagen die neue Platte Fans und Medien im ganzen Lande vorstellt. Los geht’s mit einem weitgehend akustischen Teil. Peter Maffay und seine Band spielen noch vor dem Vorhang die leisen Lieder. So persönlich wie nie zuvor seien sie, erklärt Maffay nach der Show. So ist es ihm ein Anliegen, einen Kriegstreiber anzugehen: „Wie kannst du schlafen?“. In Songs wie „Das geht tief“ geht’s um die Liebe, na klar. Und „Die Antwort“ ist gar ein Bekenntnis zu Gott. Sein Leben basiere derzeit auf drei wichtigen Säulen, erklärt Maffay: „Eine funktionierende Partnerschaft ein Kind und dem lieben Gott“.

Die vielleicht anderthalbtausend Zuhörer hängen im ersten Teil an Maffays Lippen. Allein: mitsingen können sie nicht, siehe oben. Das übrigens findet auch Peter Maffay spannend, denn er macht keinen Hehl daraus, dass er zu Texthängern neigt und sich gerne von den mitsingenden Fans in der ersten Reihe wieder auf die Sprünge helfen lässt. Das fällt diesmal weg. Auch wenn ab und an die Refrain-Texte über die Leinwand flimmern und die Zuhörer sich bemühen können, mitzusingen.

Nach einer Stunde ist Schluss mit leise, Zeit für laut. Der Vorhang öffnet sich, ein riesiges Schlagzeug kommt zum Vorschein, und los geht’s. Die Gitarren tönen noch schwerer als beim Vorgänger „X“, das Schlagzeug noch prägnanter. Sehr laut, das Ganze. Schön laut. Jetzt bekommen die Fans die Packung, auf die sie gewartet haben, sie wollen mehr laut als leise. „Für mich gehören die beiden Teile untrennbar zusammen“, erklärt Maffay nach der Show. „Dieses Konzept stand für uns von Beginn an fest.“ Die leisen Klänge, da ist er sicher, „sind die Überraschung. Laut haben die Leute von uns erwartet.“ Unter den lauten Liedern ist auch die Single „Glaub an mich“, ein denkbar schlichtes Liebeslied. „Wir haben weniger Schnörkel“, sagt Maffay. Daran habe auch Co-Produzent Lukas Hilbert Anteil, der manchmal bremste, wenn die Musiker zu verspielt wurden.

Die Clubkonzerte sind ein Vorgeschmack, ab heute gibt’s das Album. Laut und leise unterscheiden sich dabei nicht ganz so deutlich wie auf dem Konzert. Leise ist hier nicht rein akustisch, laut nicht so laut wie im Konzert. So ist das schließlich immer. Aber „Laut & Leise“ ist eine ausgefeilte Rockplatte, die von den Phrasierungen lebt. Und von Maffays Kunst, ernste Inhalte und musikalischen Spaß miteinander zu verbinden.

Im Sommer spielt Peter Maffay einige Open-Airs. Zu den Stationen gehören auch Braunschweig (25. Mai), Vechta (28. Mai), Köln (1. Juni), Koblenz (2. Juni).

Gunnar A. Pier