Sie hatten einen Traum

"Superstars" auf Tournee: Begeisterung reißt nicht ab

(aus Westfälische Nachrichten, Kulturelles Leben, 28. Mai 2003)

Dieter Bohlen ist jetzt auch Moderator, und endlich ist etwas gefunden, was der Universalist des Showgeschäfts nicht so gut kann. Da ist es gut, dass es diesmal kaum um ihn ging. Nein, der Pop-Produzent und musikalische Mastermind hinter den Rücken der "Superstars" ist diesmal nur Präsentator, nur Ansager, nur Mentor. Im Mittelpunkt stehen die Finalisten aus der Casting-Fernsehsendung "Deutschland sucht den Superstar". Die räumen nach TV-Gigantomanie und Plattenrekorden nun auch im Rahmen einer Tournee in den großen Konzerthallen der Nation ab. Am Montagabend spielten sie in der Kölnarena, gestern Abend gleich noch einmal. Heute sind sie in Dortmund.

Steffi, Andrea, Nektarios, Nicole, Gracia, Vanessa – einen nach dem anderen stellt Bohlen vor. Über die Videoleinwände flimmern die schönsten Szenen aus den Fernsehshows, dann kommen die jungen Talente und singen. Steffi sorgt mit Pinks "Get the Party started" für einen furiosen Auftakt, Andrea, im sechsten Monat schwanger, schmettert Anastacias "I’m outta Love".

Doch es sind drei andere Finalisten, die die Fans in der übrigens nur halbvollen Halle sehen wollen. Zum Beispiel Daniel Küblböck. Der schräge Niederbayer schwebt im "Superman"-Gewand quer über die Bühne und singt das gleichnamige Lied. Später wird er auch noch in den Graben vor der Bühne springen und die Fans berühren. Die kühle Juliette bekommt ebenfalls einen begeisterten Empfang für ihren gewohnt runden Auftritt.

Doch dann kommt Alex. Der Gewinner des Wettbewerbs erscheint im blütenweißen Schwiegersohn-Anzug auf der Show-Treppe. Mit seiner Single "Take me tonight" und dem Oldie "Maniac" zieht der 19-Jährige aus Sendenhorst alle auf seine Seite. Die Woge der Begeisterung schwappt pünktlich zur Pause durchs Hallenrund.

Nach der Unterbrechung geht es Schlag auf Schlag. Videofilmchen und Bohlens Moderation sind ertragen, jetzt wird nur noch gesungen. Solo, im Duett, am Ende alle zusammen. Die Neulinge auf den Bühnen der großen Konzerthallen genießen die Tumulte und die lautstarke Begeisterung. Die Fans sind meist jung und weiblich, sitzen neben ihren Eltern und halten Pappschilder hoch, die sie mit Filzstift, Klebestift und Bildchen aus der Zeitung gebastelt haben. Die Superstars live – für viele geht hier ein Traum in Erfüllung.

Nach netto zweieinhalb Stunden fallen bunte Papierschnipsel von der Bühnendecke, während die Superstars mit "We have a Dream" einen krönenden Schlusspunkt setzen. Der Jubel reißt nicht ab. Selbst der erfahrene Dieter Bohlen lächelt gerührt, als er ins Publikum blickt.□ Weitere Stationen: unter anderem Dortmund (heute), Bremen (31. Mai), Oberhausen (2. Juni). Es gibt noch Karten für rund 50 Euro.

Gunnar A. Pier