C'mon Schatz

Bryan Adams am 4. Dezember 2001 in der Halle Münsterland

(Westfälische Nachrichten, Kulturelles Leben, 6. Dezember 2001)

Jahrelang spielte Bryan Adams lauten Rock in großen Stadien. Dann hatte er den Aufwand satt, lud die halbe Band aus, griff zum Bass und spielte nur noch zusammen mit Gitarrist und Schlagzeuger. Vor zehntausenden Fans wirkten die drei Herren manchmal etwas verloren. Es fehlte, wie der Westfale sagt, etwas Schmackes. Jetzt ist alles wieder gut. Das Schrumpfen der Dimensionen brachte den Rockstar aus Kanada dazu, am Dienstag in der Halle Münsterland zu spielen. Und siehe da: Vor 4000 Zuschauern funktioniert das Trio trefflich. Da ist wieder die alte Klasse. Ein toller Abend.

Bryan Adams ist in erster Linie Musiker und spielt nicht den Popstar. Dass er doch ein Popstar wurde, ist Ergebnis seiner Musik. Kein Firlefanz, nicht pompöse Bühnenbauten und leuchtende Feuerwerkskörper machen hier die Show. Nur die Musik. Ein weißer Vorhang hinten, ein langweiliges T-Shirt vorne.

Bryan Adams beginnt mit altem Material und feuert – ungewöhnlich wie mutig – schon als viertes Lied den vermeintlichen Höhepunkt „Summer of 69“ Ab. Dann kommen Stücke vom 91er-Album „Waking up the Neighbours“, das vielleicht seine beste Platte ist.

Große Überraschungen hat Bryan Adams nicht mitgebracht. Die Stücke spielen die drei in altbekannten und eben bewährten Arrangements. Gerade das macht es den Zuhörern möglich, mitzugehen, mitzusingen und das Konzert zur Party zu verwandeln. Wer viel Adams hört, bekommt an diesem Abend vertraute Kost.

Nur manchmal müssen Bryan Adams am Bass. Gitarrist Keith Scott und Trommler Micky Curry sich etwas Neues ausdenken, schließlich fehlen zwei Mann. Also spielt der Gitarrist manchmal in schnellem Wechsel erste und zweite Gitarre. Balladen wie „Heaven“ und „Everything I do“ spielt Adams alleine – mit der Gitarre in der Hand und seiner Stimme, die mühelos die Halle erfüllt.

Aber diese schwierige Aufgabe hat Bryan Adams sich selbst ausgesucht. Im Interview mit unserer Zeitung erklärte er: „Ich hatte den großen Aufwand satt, und als wir das Album ,On a Day like today’ fertig hatten, wurde mir klar, dass wir drei den Löwenanteil der Arbeit geleistet hatten. Wir haben angefangen, einige kleine Konzerte als Trio zu spielen, und das war besser als je zuvor.“ Ob er die Band manchmal vermisst? „Niemals. Wir sind besser denn je, auch wenn das die Arbeit der anderen schlechter verscheinen lässt. Sie sind toll, aber wir sind einander so nah, dass wir uns auf der Bühne verstehen, ohne nachdenken zu müssen. Es ist einfach genial.“

Genial finden das auch die Fans in der Halle Münsterland, besonders Martina aus Münster. Bryan holt sie, „C’mon Schatzi“, auf die Bühne, weil ihm für „When you’re gone“ eine Duett-Partnerin fehlt. „Was machst Du so?“, fragt er. „Heute Nacht?“, fragt sie kess zurück, und die 4000 Adams-Fans sind plötzlich auch Martina-Fans. Martina ist textsicher und die Menge tobt.

Überhaupt herrscht eine umwerfende Stimmung in der kleine Halle. Kein Wunder: Ein Sänger, der ganze Stadien unterhalten kann, hat mit der vergleichsweise trauten Runde kein Problem. Keine Frage: Bryan Adams ist ein großer Entertainer.

Gunnar A. Pier