Tänzchen mit den Fans

Bryan Adams am 13. Juli 2002 in Bocholt

(Westfälische Nachrichten, Kulturelles Leben, 15. Juli 2002)

Ach, war das schön, als Bryan Adams in der Halle Münsterland spielte. Alle konnten gut sehen und gut hören, die Kraft der drei Herren reichte bis in die letzte Ecke der kleinen Halle. Am Freitag trat Bryan Adams allerdings in Bocholt auf, und das Konzert litt unter der üblichen Crux von Open-Airs: Nur die Hälfte der Zuschauer konnte gut sehen und gut hören – bei 40 Euro Eintritt. Schade, denn was manche gut hörten und viele erahnten, hatte das Zeug zu gefallen.
Bryan Adams am 12. Juli 2002 in Bocholt - Foto: gap
15.000 Fans waren ins Bocholter Stadion „Am Hünting“ gekommen. Nach und nach füllten sich Tribüne und Fußballplatz, während das erlesene Vorprogramm unterhielt. Die Band Yorck machten mit solidem Rock und großen Posen den Anfang, bevor die süddeutsche Band Fool’s Garden zeigte, dass sie chronisch unterschätzt ist. Die unscheinbaren Musiker um Sänger Peter Freudenthaler zogen auch Zweifler in ihren Bann. Und alle, die gedacht hatten, sie kennen von Fool’s Garden nur „Lemon Tree“, staunten bei „Wild wild Days“ und „Suzie“, dass sie von Fool’s Garden noch mehr Ohrwürmer gespeichert haben.

Bei Alphaville, der dritten Band im Bunde, ist es genau umgekehrt. Fast alle wissen, dass sie viele Ohrwürmer kennen: „Big in Japan“, „Sounds like a Melody“, natürlich „Forever young“. Aber die wieder auferstandene Band um Sänger Marian Gold spielte das Programm lieblos runter, kein Funke sprang über.

Diese Probleme hat Bryan Adams nicht. Es ist ja bemerkenswert: Seit Jahren hat der Kanadier kaum neues Material vorgelegt. Stattdessen bereitet er aus einen alten Titeln immer wieder andere Konzerte zu. Dabei scheut er auch unbekanntere Album-Stücke nicht, streut sie ein zwischen bewährten Hits ein, zwischen „Summer of 69“, „Kids wanna rock“ und dem unverwüstlichen „Heaven“. Alle Lieder treiben die Musiker mit Druck nach vorne und schaffen es immer wieder mit musikalischen Mitteln, mit dramaturgischen Pausen und angenehm schmerzenden Gitarrensoli, unnachahmliche Spannung zu erzeugen.

Nach einigen Jahren in schlichter Dreierbesetzung mit Gitarrist Keith Scott und Trommler Micky Curry ist nun wieder ein Keyboarder dabei. Nennenswerte Veränderungen brachte das jedoch, so weit es zu hören war, kaum.

Nach anderthalb Stunden ließen Bryan Adams und seine Mitstreiter ein altes Spielchen aufleben: Für einige Lieder spurteten sie auf eine kleine Bühne mitten im Stadion. Umringt von den Fans spielten sie einige Rock’n’Roll-Stücke und holten sich zu „She’s only happy when she’s dancin’“ tanzende Zuschauer auf die Bühne. Da waren sie den Fans ganz nah, das entschädigte viele für die mangelnde Lautstärke.

Trotz alledem: Hoffentlich kommt Bryan Adams demnächst wieder in die kleine Halle Münsterland.

Gunnar A. Pier