Wie früher

Jon Bon Jovi am 28. April 1998 in der Stadthalle Bremen

(Westfälische Nachrichten, Kulturelles Leben, 30. April 1998)

Früher, als John Francis Bongiovi noch jung war und durch kleine Clubs in New Jersey tingelte, sprach er schon immer selbstbewußt davon, wie es sein wird, wenn er einmal ganze Arenen füllt. Es sollte ihm gelingen. Als Sänger und Songwriter der Band Bon Jovi spielte er weit über 1000 mal in ausverkauften Stadien dieser Welt. Nun ist er zurückgekehrt. Am Dienstag gab er in der Bremer Stadthalle das erste von vier Solo-Konzerten in Deutschland. Mittelgroße Hallen stehen auf dem Spielplan, und für den, der sonst in Arenen spielt, in der die Bewohner von zwei Mittelstädten Platz hätten, hat das schon beinahe den Charakter eines Clubkonzerts.

Der Auftritt war mit Spannung erwartet. Jon Bon Jovi, wie er sich längst multilingualtauglich nennt, steht derzeit mit seinem inzwischen zweiten Solo-Album in den Charts. Nach dem Cowboy-Soundtrack „Blaze of Glory“ 1990 veröffentlichte er im vergangenen Jahr „Destination Anywhere“, ein von der Akustik-Gitarre geprägtes Meisterwerk auf dem Grat zwischen düsterer Schwermut und lockerer guter Laune. Was kommt live dabei heraus?

Es knallte. Mit ungestümer Spielfreude legten „Jonnie“ und seine exzellente Begleitband gleich mit dem Bon-Jovi-Klassiker „You give Love a bad Name“ los. Es folgten Bon-Jovi-Hits vornehmlich jüngeren Datums, die die Fans in der ausverkauften Halle Begeisterungsstürmen hinrissen, die elbst einen JBJ noch überrascht haben dürften. „Someday I’ll be Saturday Night“, „Keep the Faith“, „I’ll sleep when I’m dead“ – die Titel gerieten zu wahren Hymnen. Fehlen durften natürlich auch Titel vom ersten Solo-Ausflug nicht. Allen voran das simple „Blood Money“ in bester Unplugged-Manier nur mit der Akustik-Gitarre. Wohldosiert eingestreut waren die Titel vom aktuellen Album. Sie waren in das laute Rock’n’Roll-Korsett gezwängt, und das tat gar nicht weh. Nein, die puristischen Anflüge sind vorbei.

Vorbei sind übrigens auch die Zeiten der großen Gesten. Spärlich der Aufwand, ein wenig Licht, keine Leinwände, kein „Always“ oder „This ain’t a Love-Song“. Jon Bon Jovi als Musiker, nicht als süßer Popstar. Und das stand ihm gut. Einen überfälligen Beweis hat John Francis Bongiovi angetreten: Daß hinter dem glitzernden Teenie-Idol in erster Linie ein exzellenter Musikus steckt. „Naked, just get back to basics.“ Er bot die Essenz seines Schaffens – und war wie früher.

Gunnar A. Pier