Farfarello: Geiger Mani Neumann am 24. November 2001 im Ballenlager - Foto: gapRock-Gitarrist mit Geige

Farfarello am 24. November 2001 im Ballenlager

(Westfälische Nachrichten, 26. November 2001 - Eine Veranstaltung der Kulturinitiative)

Wer die Geige nur von den ersten Gehversuchen des ach so talentierten Musikschülers kennt, verbindet mit dem handlichen Holzinstrument leicht schiefe und stark schräpende Klänge. Ach, wenn der Zweifler nur wüsste, was mit der Geige alles geht. Vivaldi und Mozart? Na klar, aber noch viel mehr. Farfarello zeigt, was geht. Das altmodische Streichinstrument steht im Mittelpunkt der Musik. Samstag im Ballenlager: Fünf Musiker und fast 300 Zuschauer erzeugen einen absoluten Höhepunkt im Grevener Kulturjahr.

Der Vorverkauf war schleppender als sonst gelaufen, deshalb hatten die Aktiven der Kulturinitiative nur halb so viele Stühle wie sonst aufgestellt. Um acht Uhr rollen sie noch ein paar Stapel Stühle in den Saal. Das Ballenlager wurde voll.

Dann geht’s los. Zwei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger betreten die Bühne, dann kommt Mani Neumann. Er ist der Popstar der Band, aber er zeigt es nicht. Farbloser Pullover, schräg sitzende Gürtelschnalle, Geige. Losgeht’s. „Weite Felder“ ist melodisch. Die Geige klingt warm und engagiert. „Weite Felder“: Mit viel Hall erzeugen die Fünf jene tiefen Klangsphären, die den Abend über das Ballenlager erweitern.

Viele behaupten es von sich, Farfarello schafft es: Gemeinsam zertrümmern die Musiker, die sich 1982 nur deshalb zusammen taten, weil ein Düsseldorfer Altstadtwirt eine Combo suchte, den Schrank mit den Schubladen, in die Musik sonst einsortiert wird. Farfarello verwischen die Grenzen. Folkloristische Klänge mischen sie mit Elementen aus der Klassik. Und weil sie bei ihren Arrangements die Regeln der Rockmusik befolgen, ist vom Üben des Musikschülern nichts mehr zu erkennen. Mani Neumann verzieht das Gesicht, dann stampft er mit dem Fuß, dann springt er und schreit, weil er leidet. Mani Neumann spielt Geige mit dem ganzen Körper. Und scheinbar erfreut über den Sieg am Ende eines lang umkämpften Liedes reckt er die Faust in Richtung Ballenlagerdecke, wenn das Publikum begeistert lärmt.

Farfarello spielen viele Eigenkompositionen, aber auch bekannte Stücke finden Platz. Smetanas „Moldau“ spielen ie beispielsweise so wie fast alles als ekstatische Live-Nummer. Mit der Geige lassen sich sehnsüchtige Balladen halt ebenso spielen wie rotziger Rock.

Zur weiten Klangwelt gehört bei Farfarello die Band hinter dem Violinisten. Besonders die Gitarristen Ulli Brand und Stefan Wiesbrock prägen die Atmosphäre und helfen Mani Neumann tatkräftig, wenn er der nächsten Eruption entgegengeigt. Ihr ausgedehntes Duell ist so fesselnd, atemberaubend, dass sich jede verbale Beschreibung verbietet.

Das Publikum feiert die Band an diesem Abend begeistert. Und wenn Farfarello im nächsten Jahr nochmal wiederkommen sollte, werden sie alle wieder da sein.

Tipp: Am Mittwoch, 28. November, spielt Farfarello im Filmtheater Universum in Bramsche, am 17. Januar in der Lagerhalle Osnabrück.

Gunnar A. Pier