Unfassbare Fans,
deutsche Texte

Stefani Klos von
Silbermond im Gespräch

6. August 2004, Lenz: Sie kommen genau zur rechten Zeit: Zwischen Wir sind Helden, Sportfreunden Stiller und Mia fehlte uns bislang Silbermond. Harte Gitarren, deutsche Texte, gute Melodien - das Album "Verschwende deine Zeit" stieg direkt in die Top Ten ein. Gunnar A. Pier sprach mit Sängerin Stefanie.

Frage: In Zeiten, in denen Plattenfirmen sparen und Fernsehsender Popstars casten, kommt ihr mit richtig echter Rockmusik. Wie habt ihr?s aus dem Bautzener Keller in die große Show-Welt geschafft?
Stefanie: Wir haben uns vor sechs Jahren kennen gelernt, hatten Spaß an der Musik, haben angefangen, im Proberaum zu spielen. Dann haben wir in den kleinsten Kneipen Bautzens angefangen, kleine Gigs zu spielen, später auch in den Städten drumherum. Wir hatten Spaß dran, wir haben einfach gemacht, das ist, glaube ich, sehr wichtig.

Frage: Und plötzlich kennt man jemanden bei der Plattenfirma?
Stefanie: Wir haben Demos aufgenommen in einem Studio bei uns in der Nähe von Bautzen. Dort haben wir unseren jetzigen Manager kennen gelernt, und die zwei, mit denen wir da produziert haben, sind Musiker der Jeanette-Band. Dadurch haben wir wieder Produzenten kennen gelernt, die uns irgendwie cool fanden, und die haben mit uns weiter produziert. Als die ersten Demos fertig waren, haben wir in Berlin ein Showcase gespielt, also einen Gig, zu dem du Plattenfirmen einlädst. Es waren auch so zwei, drei da, die auch relativ begeistert waren. Am nächsten Tag gab?s Gespräche ? und dann ging?s aber los: Die wollten einen anderen Namen, weniger Gitarren, unsere Musik sollte radiotauglicher und kommerzieller werden, und ob wir nicht einen Keyboarder mit reinnehmen wollen. Da haben wir gedacht: Ey, was geht denn hier? Das war schon ein bisschen zu viel.

Frage: Das sind ja auch schon grundlegende Eingriffe.
Stefanie: Ja, absolut.

Frage: Namen ändern geht vielleicht noch, aber ein Keyboard verändert ja gleich die ganze Musik.
Stefanie: Schon der Name ? unser Name ist unser Name. Ein Name ist ausschlaggebend für eine Band, sie identifiziert sich mit dem Namen. Da haben wir schon gesagt: Nein, lass uns lieber weiter produzieren und es später noch mal versuchen. Ein paar Wochen später haben wir hier bei uns in Bautzen gespielt. Nachher kam eine Frau zu mir und sagte: Hallo, ich arbeite bei der BMG München und ob wir schon einen Deal haben. Ich habe ihr dann gesagt: Hier haste die Nummer von unserem Manager, den kannste ja anrufen, wenn du was willst. Und das hat die tatsächlich gemacht.

Frage: Also nach einem langen Zickzack-Kurs am Ende doch von der Straße weggefangen.
Stefanie: Mehr oder weniger. Das ist auch Glücksache: Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Frage: Ihr habt mit englischer Rockmusik angefangen. Ist das für eine Band irgendwie selbstverständlich?
Stefanie: Das war halt so. Jede Band fängt erstmal an zu covern. Wir haben Songs gecovert von A bis Z, von Alanis Morrissette, Red Hot Chili Peppers, die Klassiker wie ?Ain't no Sunshine? und so. Das war uns nicht genug, und deshalb haben wir mit eigenen englischen Songs angefangen. Deine Lieblingsbands singen englisch, deshalb machst du das automatisch auch, bis du dir sagst: Ey, warum machst du das eigentlich, obwohl das gar nicht deine Muttersprache ist und du ständig deine Englischlehrer fragst, ob das grammatikalisch so in Ordnung ist.

Frage: Wenn man jetzt in die Charts guckt, sieht man so etwas wie eine Renaissance deutschsprachiger Rockmusik. Ich denke an Mia, Sportfreunde Stiller, Wir sind Helden. Das dürfte euch ja ganz besonders freuen.
Stefanie: Momentan ist es echt schön. Es gibt leider einige Bands, die das als Konkurrenz ansehen, aber das würden wir nie tun. Wir freuen uns, dass solche Bands wie Juli, Virginia Jetzt, Wir sind Helden und wie sie alle heißen erfolgreich sind. Es ist cool, dass der Weg wieder geebnet ist für deutsche Musik und die Leute auch wieder auf deutsche Texte hören. Ich denke, je mehr deutsche Musik es gibt, desto mehr hören die Leute auch wieder auf Texte, desto mehr ist das Wort wieder wert. Und desto mehr ist auch wieder die Band im Vordergrund. Es ist schön, dass das wieder geschätzt wird.

Frage: Eure Songs haben oft eine Message, die Texte machen richtig Sinn. Wie sehr interessieren sich die Leute denn für die Texte?
Stefanie: Ich glaube, bei deutschen Texten mehr als bei englischen. Bei deutschen Texten wirst du gleich fertig gemacht, wenn du eine Zeile hast wie ?Mach?s dir selbst?. Aber wenn da jemand sagt: ?Fuck, what I said?, dann interessiert das niemanden. Ich denke schon, dass die Leute deutsche Texte wesentlich kritischer sehen und ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken.

Frage: Merkt ihr das an Reaktionen?
Stefanie: Ja, auf jeden Fall. Gerade bei ?Durch die Nacht? ? da kommen viele Leute und sagen: Hey, das habe ich auch schon erlebt. Ich weiß nicht, ob das bei Las Ketchup auch schon jemand gesagt hat. Bei mir ist das auch so. Ich finde viele englische Songs cool, weil mir alles insgesamt gefällt, da höre ich meistens auf den Text. Bei deutschen Texten kannst du sofort etwas damit anfangen.

Frage: Ihr wart jetzt mit Jeanette auf Tour. Wie ist es euch da ergangen?
Stefanie: Das war unsere erste Tour, und sie war echt hammermäßig. Wir treffen unterwegs sehr viele Leute, denen unsere Musik Spaß macht. Und das ist echt schön. Es ist unfassbar, wenn du auf der Bühne stehst, und vor dir stehen 3000 Leute, die ?Durch die Nacht? mitsingen. Das ist unfassbar, das ist das größte Geschenk.

Frage: Ihr wart ja schonmal in Münster und habt auf dem Eurocityfest gespielt. Welche Eindrücke hast du von Münster mitgenommen?
Stefanie: Der Oberhammer. Also: sehr, sehr schön. Es war ja noch etwas heller, als wir da gespielt haben, aber die Leute waren total cool drauf und haben uns aufgenommen, auch wenn sie uns noch nicht kannten. Sehr sehr fair, die haben wirklich mitgemacht, es hat sehr viel Spaß gemacht. Es waren viele Leute extra wegen Dick Brave da, aber die hatten trotzdem die Laune, uns auch zuzuhören.

Frage: Was kannst du denn von der anstehende Tour schon verraten?
Stefanie: Ich kann verraten dass wir viele Songs natürlich von dem Album spielen werden, dass aber auch ein paar Songs dabei sein werden, die nicht drauf sind, damit es nicht ganz so langweilig ist. Es wird natürlich ganz viel Spaß geben, und wir werden uns auch kleine Überraschungen einfallen lassen.

Frage: Dann sind wir ja gespannt.