„Auch mal auf die
Zunge beißen“

Comedian Elton dreht für den "Red Nose Day" in Uganda

11. März 2005, Lenz: Eigentlich ist er immer lustig und ein bisschen trottelig. Beim "Red Nose Day" 2005 stellte Comedian Elton Projekte im afrikanischen Uganda vor. Wie schwer ihm der Ernst fiel, erklärt er in diesem Interview.

Frage: Wir kennen dich aus dem Fernsehen als selten ernsten Menschen. Jetzt engagierst du dich für ein ernstes Thema: Befürchtest du manchmal, dass dir dafür die Glaubwürdigkeit fehlt?
Elton: Nee, überhaupt nicht. Es ist ja die Idee des Red Nose Days, dass Comedians - obwohl ich mich ja selbst noch nichtmal als Comedian sehe - solche Sachen machen.

Frage: Du hast Projekte in Uganda besucht. Was hast du dort erlebt?
Elton: Das ist ein sehr, sehr schönes Land, auf jeden Fall. Da sind ja die Quelle des Nils und der Viktoria-See. Auf der anderen Seite gibt es dort sehr viel Elend. Zwar nicht so gravierend, wie ich mir das vorgestellt hatte, dass da am Straßenrand nur gebettelt wird und da nur Kranke herumliegen. So ist das zum Glück nicht, weil das soziale Wesen unter der Bevölkerung sehr groß ist. Da passt der Nachbar noch auf die Kranken auf. Wenn man aber beispielsweise ein Aids-Krankenhaus besucht, ist das sehr hart, die Menschen dort sterben zu sehen - da sterben Mütter, und die Kinder liegen daneben.

Frage: Was für Projekte hast du dort angeschaut?
Elton: Wir haben eine mobile Klinik der Kindernothilfe angeguckt in der Region Massaker. Die heißt tatsächlich so. Die haben Autos, wo Aids-Infizierte ihre Medikamente bekommen oder auch Lebensmittel, aber auch ein Krankenhaus, in dem Menschen, die nur noch eine Woche zu leben haben, dahin- ja: vegetieren.

Frage: Wie beeindruckend war das für dich?
Elton: Es ist schwierig. Wir haben zum Beispiel zwei Kinder besucht, die ihre Eltern verloren hatten. Wenn man da vor Ort ist und mit denen spielt, vergisst man sehr schnell, dass die keine Eltern haben. Aber wenn man wegfährt und die stehen da, schauen einen mit traurigen Augen an - dann hat das erstmal eine Weile gedauert, bis man im Hotelzimmer sitzt und denkt: Scheiße, jetzt wird es dunkel, die sind da jetzt alleine. Aber man hört nicht automatisch auf zu essen, dann bestellt man doch wieder sein Bier. Aber was es mir mitgegeben hat: Ich habe selbst einen Sohn, der drei Jahre alt ist und den ich von vorne bis hinten verwöhne. Da habe ich mir jetzt auch gedacht: Der muss nicht jeden Tag ein neues Spielzeug bekommen oder eine Kinder-Schokolade.

Frage: Also hat sich deine Einstellung zu deinem normalen Leben schon ein wenig geändert?
Elton: Ja, selbstverständlich. Das nimmt einen schon mit. Es ist aber nicht so, dass ich denke, ich muss jetzt Diät machen oder ich trinke ein Bier weniger.

Frage: Weißt du vielleicht ein wenig mehr als vorher zu schätzen, wie gut es uns geht.
Elton: Ja, auf jeden Fall. Klar, hier in Deutschland gibt es auch Sozialfälle - das ist trotzdem bei weitem nicht so schlimm wie da hinten. Hier kümmert sich der Staat zum Beispiel um Waisenkinder, die kommen in ein Waisenhaus. Da in Afrika müssen sie alleine in ihrer Hütte leben und versuchen, Bananen anzubauen.

Frage: Womit ist den Menschen denn zu helfen?
Elton: Hauptsächlich tatsächlich mit Geldspenden. Ich habe mir ja angeguckt, wo das hingeht. Wichtig ist, dass man die mobilen Kliniken weiter instandhalten kann. Ich habe auch eine Farmschule besucht, in der Kinder lernen, agrarwirtschaftlich zu leben, wie man wirklich Bananen und Mais anbaut, und da steckt die Kindernothilfe auch Geld rein.

Frage: Was kannst du als Prominenter tun?
Elton: Ich kann nur darauf aufmerksam machen, gerade weil ich ja eine Zielgruppe anspreche, die sich vielleicht vorher noch nicht so damit beschäftigt hat, mehr so die Teenager bis Mitte 20.

Frage: Du kannst also die Menschen ansprechen, die nicht auf Karlheinz Böhm hören.
Elton: Genau. Es wäre schön, wenn alle 50 Cent spenden. Es ist natürlich einfach, sich als Prominenter dahin zu stellen und zu sagen: Spendet! Spendet!, ohne selbst etwas zu tun. Nun verdiene ich auch nicht so großartig viel, aber vielleicht mehr als so ein normaler Ford-Arbeiter. Deshalb kann ich auch selber ein bisschen tun. Wir haben zum Beispiel eine Familie mit sechs Kindern besucht, die Mutter hat noch eine Lebenserwartung von einem halben Jahr, und die wird von den Eltern des Mannes, der schon an Aids gestorben ist, aus dem Haus getrieben. Unser Team hat sich jetzt privat speziell für die eingesetzt, wir kaufen denen ein Haus und ein Grundstück.

Frage: Jetzt kommt die Red-Nose-Day-Gala, auf der du das Projekt vorstellst. Wie lustig geht das?
Elton: Das geht eigentlich sehr lustig. Es gibt ja zwei Teile: Die lustige Seite, wenn Comedians einmal das tun, was sie normalerweise nicht tun. Aber auch die Bilder, die man vielleicht nicht unbedingt sehen möchte: sterbende Kinder, arme Kinder, hungernde Kinder. Das ist aber, glaube ich, auch ganz gut so. Denn nur eine reine Spendensendung, wo nur schlechte Stimmung verbreitet wird, halte ich für anstrengend. Das ist natürlich ein schmaler Grat, aber genau das macht den Red Nose Day so erfolgreich.

Frage: Gibt es in deinem Filmbericht denn auch etwas zu lachen, oder verbietet sich das bei solch einem Thema?
Elton: Es gibt nicht wirklich etwas zu lachen. Wir haben viele Sachen gedreht, es gibt in dieser Farmschule zum Beispiel auch Sportunterricht. Da habe ich dann ein bisschen Fußball mit denen gespielt, das wird zu sehen sein. Aber im Musikunterricht wurde ein afrikanischer Tanz für uns aufgeführt, und ich habe ein wenig mitgemacht, richtig klassisch mit Baströckchen. Das kommt jetzt nicht vor, um das nicht allzu positiv zu machen. Natürlich ist es schön, zu sehen, dass die Kinder auch Spaß haben. Aber wenn der Zuschauer sieht: Aha, die haben tagsüber Spaß, nachts sind die alleine, na und, macht doch nichts - dann ist das auch gefährlich.

Frage: Also keine "Traumschiff"-Landgang-Romantik?
Elton: Nein, auf gar keinen Fall. Wir haben aber auch schlimme Bilder rausgelassen, zum Beispiel aus dem Aids-Krankenhaus. Offene Wunden ohne Quarantäne - man muss noch hingucken können.

Frage: Wie schwierig ist solch ein Beitrag für dich?
Elton: Ich lebe ja durch so genannten Talk. Da musste ich mir schon manchmal auf die Zunge beißen, damit ich keinen Spruch machen auf Kosten von Menschen, die eh schon arm dran sind.

Frage: Das wäre sicher einfach gewesen.
Elton: Genau, das wäre zu einfach gewesen. Manchmal konnte ich's aber nicht verhindern. Da war zu Beispiel eine Familie, die so ein kleines Schweinchen geschenkt bekommen hatte. Da habe ich gesagt, die sollten mich mal lieber nicht zu nah an das Schwein ranlassen, weil ich alles esse, was sich bewegt. Da haben die erstmal geschockt geguckt: Macht der das wirklich? Hier wäre das ein Mörder-Gag gewesen, aber da verstehen die das nicht. Das wurde dann auch rausgeschnitten.

Frage: Du musst wahrscheinlich zusehen, dass die Zuschauer über dich lachen und nicht über die Menschen.
Elton: Das sowieso. Aber das kriegen wir gut hin.