HintergründigeMartine Hekman (Mitte) beim Spiel der 09-Handballerinnen in Bückeburg - Foto: gap
Momentaufnahmen

Nein, nicht schon wieder diese Pappkameraden.“ Etwas despektierlich formuliert WN-Redakteur und Fotograf Gunnar Pier seine Abneigung gegen eine bestimmte Ausprägung der Fotografie, die sich in der lokalen Berichterstattung nicht immer ganz vermeiden lässt. Wenn Veranstalter im wahrsten Sinne des Wortes plakativ auf ihre Veranstaltungen via Zeitungsbild verweisen wollen, gefriert dem puristischen Fotoästheten der Auslösefinger. Der Zeitungsmacher steht dann im Widerstreit zum Fotografen. Ein Kompromiss muss her.

Kompromisse wollen die Bilder von Piers zweiter Ausstellung im Rathaus nicht vermitteln. Sie demonstrieren auf eine gleichwohl unauffällige wie sympathische Weise authentisches Leben vor Ort. Pier fängt gerne die Motive am Rande ein: Nicht der Prinz mit Pünte im Prunkwagen, sondern das kleine Mädchen mit großen Augen und noch ungefüllter Einkaufstasche, dass des Prinzen Kamellen herbei sehnt. Gar nicht am Rande, sondern im Mittelpunkt des Sportfotos steht die Handballerin Martine Hekman. Dynamik und Kraft springen den Betrachter förmlich an. Ein Bild, das zeigt, warum Grevens Handballerinnen bundesligatauglich sind.

So reihen sich in dieser Ausstellung die Bilder eines Jahres aneinander. Sie stellen allerdings nicht den Anspruch, ein fotografischer Jahresrückblick zu sein. Es sind eher Momentaufnahmen, die lokale Ereignisse zumeist hintergründig beleuchten. In der Zeitung sind fast alle Bilder mit Texten kombiniert, ergänzen sich, bilden im Idealfall eine Einheit. Für den 27-jährigen WN-Redakteur bedeutet das logischerweise bei der Bildauswahl, „dass nicht jedes Foto ausstellungsreif ist, weil die Wirkung mancher Motive nur mit oder durch den Text gelingen kann.“

Zum zweiten Mal kommen die zeitungsfotografischen Ergebnisse von Gunnar Pier in das Rathaus. Sie zeigen eindrucksvoll, warum das Leben in Greven so lebenswert ist. Wohl auch deshalb gehören sie in einen wieder kehrenden Ausstellungskalender.

Ulrich Reske, Redaktionsleiter
Westfälische Nachrichten, Greven

Das Auge des Fotografen

„Grevener Bilder 2002“ von Gunnar A. Pier im Rathaus

Wer ihm schon mal vor die Linse geraten ist, der weiß: Grinsen allein reicht in der Regel nicht. Wenn Gunnar Piers Gesicht hinter seinem großen Objektiv verschwindet, ist das Motiv gedanklich schon so gut wie fertig. Er porträtiert den Sportmenschen durch das Tornetz, fängt die großen Augen der Kinder bei der Kirmes ein und lässt Musiker so bildlich das Ballenlager beschallen, dass man es fast auf dem Foto jazzen hören kann.

Bereits zum zweiten Mal stellt der WN-Redakteur seine Bilder im Rathaus aus. Nach „Das war Greven 2001“ im vergangenen Jahr nun „Grevener Bilder 2002“: Von den siegreichen Handballdamen bis zum Kino im Ballenlager, vom Jubel beim Giro d’Italia bis zur Floßfahrt auf der Ems. Bei der Auswahl der Bilder zählt diesmal nicht, wie sonst im täglichen Zeitungsgeschäft, das Ereignis an sich, sondern das Motiv – eine persönliche Auswahl der fotografischen Highlights des vergangenen Jahres.

Bei der Auswahl der Momentaufnahmen stellt Gunnar Pier immer wieder fest, wie eng verzahnt Motiv und Text sind: Nicht jedes Bild funktioniert ohne Worte. Daher sollte man auf jeden Fall immer genau hinsehen – denn mit einer einzigen Aussage gibt sich eigentlich kein Pier-Bild zufrieden . . .

Die Ausstellung im Sitzungstrakt des Rathauses, erste Etage, wird am 8. Januar um 18 Uhr eröffnet und ist bis zum 24. Januar zu sehen.

Katrin Petersen, Stadt Greven