Warum Greven lebenswert ist
Ausstellung von Gunnar A. Pier eröffnet

(Westfälische Nachrichten, 10. Januar 2003)

Ein kleiner Junge schaut über die Bande in die Zirkusmanege. Er schaut traurig. Regen prasselt hernieder auf den Kirmesplatz. Die bunten Lichter der Karusselle verschwimmen. Ein bärtiger Mann sitzt auf einem Hocker, in der Hand hat er die Gitarre. Sein Gesicht erzählt Geschichten.Bei der Eröffnung (von rechts): Gunnar Pier, Bürgermeister Egon Koling, WN-Lokalchef Ulrich Reske - Foto: Peter Beckmann/WN

Sind das Fotos oder Bilder? Diesen feinen Unterschied machte Bürgermeister Egon Koling am Mittwochabend, als er "Grevener Bilder 2002", die Ausstellung von WN-Redakteur Gunnar A. Pier, im Rathaus eröffnete. Der Junge im Zirkus, die verregnete Kirmes oder der Dubliners-Frontmann sind nur ein kleiner Teil der 26 Motive, mit denen Pier zum zweiten Mal nach 2001 ein Kaleidoskop des Lebens in Greven geschaffen hat.

Fotos oder Bilder? Koling entschied sich für "Bilder" – und meinte dies ausdrücklich als Lob für den Fotografen. "Sie sind Dokumentation, sie lassen Erinnerungen aufleben, sie vermitteln Stimmungen und sie sind gelegentlich auch Kunstwerke", beschrieb er die Ausstellungsmotive.

Für WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske sind es "schöne, originelle, besondere, faszinierende Bilder", bei denen jedes eine eigene Geschichte habe. Eins hätten die Fotos jedoch gemeinsam, erklärte Reske: "Sie standen oft im redaktionsinternen Auswahlkampf." Manchmal sei das künstlerisch wertvollere Bild um der Information willen dem Gruppenbild gewichen.

In der Ausstellung ist das anders, und das ist gut so. Ein Blick auf die "Grevener Bilder 2002" von Gunnar A. Pier lohnt sich.

Michael Krechting

Bilder vom WN-Fotografen
Gunnar Pier werden im Rathaus ausgestellt

(Bürgernetz Greven, ab 10. Januar 2003)

Bei der Eröffnung. - Foto: Simon van RaalteDoch, die Bilder, die Gunnar Pier macht, sind eben nicht nur Kunst. Manchmal sind sie "nur" Kunst, manchmal "nur" richtig gute Zeitungsfotos. Doch die meisten Bilder sind mehr, denn sie vereinen beide Elemente in sich und heben sich damit von der Masse der Bilder, die uns täglich in der Zeitung und bei anderen Gelegenheiten entgegenflutet, wohltuend ab.

Kunst und Künstler gibt es in Greven viel, selten wird im Rathaus ausgestellt. Darf man da eigentlich einen Künstler so rauspicken und ihn mit dem Ausstellungsort Rathaus adeln? Viele, die sich die Ausstellung ansehen werden (und davon bin ich überzeugt), sagen: 'Nein, man darf nicht, man muss" Bürgermeister Egon Koling brachte es bei der Eröffnung auf den Punkt: "Die Fotos [...] lassen uns wahrnehmen, warum es sich lohnt, in Greven zu leben, warum Greven so lebenswert ist." Die Ausstellung bietet damit etwas für jeden Grevener, sozusagen als "kleine Kulturspritze" zwischendurch. Wünschenswert wäre allerdings gewesen, die Bilder dann im Rathaus nicht so sehr zu verstecken. Positioniert vor den Sitzungssälen, ist sie dann doch wieder nur für gezielte Besucher gemacht, oder um die Ratsmitglieder zu animieren, eine so bunte Stadt, wie Greven sie 2002 war, auch für die Zukunft zu realisieren. Eine Ausstellung im Rathaus-Foyer mit etwas mehr Bildern hätte mir persönlich besser gefallen. Da wäre sicher der eine oder andere "normale" Rathausbesucher vor den Bildern stehen geblieben und hätte noch mal seinen eigenen Jahresrückblick ziehen können.

Wie schwierig der Spagat zwischen Kunst und gutem Zeitungsbild ist, erläuterte dann auch noch mal WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske: "Als des Fotografen bisheriger Redaktionsleiter kann ich da auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Bilder von Fotografen, die von ihren Bildern überzeugt sind - und das ist Gunnar Pier zu recht eigentlich fast immer - entstehen oftmals auch im Kampf, im redaktionsinternen Kampf"

Wie sehr Kunst davon abhängt, ob sie als solche bezeichnet wird, konnte Pier dann mit einer kleinen Geschichte erläutern: Eine Frau, die ihn beim Aufhängen der Bilder beobachtete, fragte ihn, ob er diese denn auch gemacht hätte. Sein "Ja" beantwortete sie mit einer zweiten Frage, ob er denn Künstler sei. Die bescheidene Antwort "Naja, ich mache Bilder für die Zeitung" ließ dann aber das Kunstinteresse der Dame schlagartig abebben, die sich nur noch mit einem "Ach so" verabschiedete.

Ich bin zwar kein Kunstexperte, aber ich nehme mir mal raus, Gunnar auf diesem Wege zu sagen: "Wenn dich noch mal jemand fragt, ob du Künstler bist, sag' einfach ja - ich habe deine Bilder gesehen und für mich sind sie zweifellos das Werk eines Künstlers, bei dem das Wort Kunst noch von können kommt."

Simon van Raalte

Grevener Bilder 2003"
Gunnar Piers Bilder im Rathaus

(Online-Ausgabe der Schülerzeitung "GAG", ab 8. Januar 2003)
Bei der Ausstellungseröffnung - Foto: Philip Paß

Fast ein Jahr mussten seine Fans warten, bis es heute Abend endlich soweit war: Im Sitzungstrakt des Grevener Rathauses eröffnete die zweite Ausstellung des Lokalredakteurs und Fotografen Gunnar Pier.

Die zahlreichen Gäste, zu denen auch Bürgermeister Egon Koling und WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske gehörten, gratulierten Pier zum Jahresrückblick „Grevener Bilder 2002“. Die Fotos der Ausstellung entstanden im vergangenen Jahr bei Piers Arbeit für die Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten und werden nun, im Gegensatz zur Zeitungsveröffentlichung, bei dem die Verbindung zum Text im Vordergrund steht, noch einmal unter dem fotografischen Gesichtspunkt gezeigt.

Gunnar Pier stellt dabei jedoch keineswegs den Anspruch, alle wichtigen Ereignisse des Jahres zu berücksichtigen, vielmehr will er die Ereignisse am Rand zeigen, die das Leben in Greven so lebenswert machen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar im Rathaus zu sehen.

Philip Paß